
Weltweit wird immer mehr Fisch gezüchtet, in der EU dagegen immer weniger. Europa will das ändern, ohne seine Klimaziele zu opfern. Ein CORDIS Synergy Info Pack stellt 26 EU-geförderte Projekte vor, die an gesünderen Fischen ohne Antibiotika, Futter aus Pilzen und Insekten, schwimmenden Algenfarmen und einer Aquakultur ohne Abfall arbeiten – und am Ende kannst du prüfen, wie viel nachhaltiges Meer auf deinem eigenen Teller landet.
Die Zucht von Fischen und Meerestieren wächst – zumindest weltweit. Laut CORDIS ist die weltweite Aquakulturproduktion im letzten Jahrzehnt um 54 % gestiegen. In der Europäischen Union verlief die Entwicklung genau umgekehrt: Die Produktion ist zurückgegangen. Die Folge ist, dass die Mitgliedstaaten auf importierte Fische und Meerestiere angewiesen sind.
Europa braucht also Wege, um in der Aquakultur mehr zu erzeugen. Dieses Wachstum darf allerdings nicht auf Kosten der ehrgeizigen Klimaziele gehen. Genau an dieser Schnittstelle setzen zahlreiche Forschungsprojekte an, die von der EU finanziert werden.
Hinter den Projekten stehen mehrere Förderprogramme: Horizont Europa, der Europäische Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF) sowie die LIFE-Programme. Sie unterstützen Forschung und Innovation, aus der Technologien, Ausbildungsangebote, Verordnungen und besser abgestimmte Wertschöpfungsketten hervorgehen. Gemeinsam sollen sie dazu beitragen, dass der europäische Aquakultursektor nachhaltig, skalierbar und widerstandsfähig wird.
Einen Überblick bietet ein CORDIS Synergy Info Pack zur Innovation in der Aquakultur. Darin werden 26 Projekte vorgestellt, die zeigen, wie die verschiedenen Programme auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten: einen wettbewerbsfähigen, klimaneutralen und resilienten Sektor.
Das erste Kapitel der Publikation widmet sich der Frage, wie sich Fisch nachhaltiger produzieren lässt. Ein wichtiger Ansatz ist die Vorbeugung von Krankheiten. Forschende entwickeln biobasierte Alternativen zu Antibiotika, damit die Zucht von Karpfen, Forellen und Lachsen gesünder und widerstandsfähiger wird.
Ebenso wichtig ist die Frage, womit Zuchtfische gefüttert werden. Mehrere Projekte arbeiten an Fischfutter auf der Basis von Pilzen und Insekten. Außerdem beschreibt das Kapitel, wie Forschung und Innovation digitale Lösungen hervorbringen, mit denen die ökologische Aquakultur in Europa ihre Produktion steigern kann.
Nicht nur Fische profitieren von der EU-Förderung, sondern auch Algen. Mit Unterstützung der EU entsteht eine schwimmende Algenfarm mit einer Fläche von 40 000 m². Sie soll jährlich 300 Tonnen Trockenbiomasse liefern können.
Andere Teams erschließen zusätzliche Wege und Standorte für den Algenanbau. Dazu gehören Algenfarmen, die in Offshore-Windparks integriert werden. Ein weiterer Ansatz nutzt die regenerative Meereswirtschaft als Modell, um Meeresalgen in großem Maßstab zu erzeugen. Zwei Projekte kümmern sich zudem um die gesamte Erzeugungskette: Sie schaffen Plattformen, auf denen sich Beteiligte abstimmen und Ressourcen gemeinsam nutzen können.
Ein eigener Schwerpunkt liegt auf der Kreislaufwirtschaft. Wenn die Aquakultur zu einem kreislauforientierten, abfallfreien Industriezweig wird, rückt sie nach Darstellung von CORDIS in den Mittelpunkt des europäischen Grünen Deals. Die Projekte verfolgen dabei vor allem drei Richtungen:
So entsteht ein Kreislauf, in dem Reststoffe nicht verloren gehen, sondern an anderer Stelle weiterverwendet werden.
Innovative Technik allein reicht jedoch nicht. Echte Resilienz erfordert auch Fachwissen, Koordination und die Anpassung an den Klimawandel. Auch hier liefert die EU-geförderte Forschung Ergebnisse.
Die Publikation beschreibt, wie Projektteams Big Data und künstliche Intelligenz einsetzen, um Europas aquakulturreiche Regionen bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Hervorgehoben werden außerdem EU-Instrumente, die die Wertschöpfungskette der Aquakultur besser koordinieren sollen, und zwar sowohl innerhalb des Sektors als auch mit verwandten Branchen. Ein Projekt setzt schließlich auf digitale Lernspiele und Online-Plattformen, um die nächste Generation von Fachkräften für die Aquakultur auszubilden.
Die Synergy Info Packs von CORDIS sollen sichtbar machen, wie Projekte aus unterschiedlichen EU-Förderprogrammen einander ergänzen. Die Projekte aus Horizont Europa verwaltet die Generaldirektion Forschung und Innovation (GD RTD) der Europäischen Kommission, die auch die Forschungs- und Innovationspolitik der EU entwickelt. Die übrigen Projekte betreut die Europäische Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt (CINEA), die von der Kommission unter dem Motto „Eine grüne Zukunft für Europa finanzieren“ gegründet wurde und zum europäischen Grünen Deal beiträgt.
Die 26 Projekte zeigen, wie vielfältig die Forschung rund um die Aquakultur ist, die von Horizont Europa, dem EMFAF und den LIFE-Programmen unterstützt wird. Die Maßnahmen ergänzen sich gegenseitig: von gesünderen Fischen und alternativem Futter über Algenfarmen auf dem Meer bis hin zu abfallfreien Kreisläufen und digitaler Ausbildung. Zusammen sollen sie Europa schneller zu einem wettbewerbsfähigen, klimaneutralen und resilienten Aquakultursektor führen und zugleich die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Ziele der EU voranbringen.
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