Wissenschaft im Trend: Etwa 17 Minuten täglich an der frischen Luft für die Gesundheit

Eine neue großangelegte Studie hat gezeigt, dass uns schon zwei Stunden pro Woche in der Natur guttun.

Im Journal „Scientific Reports“ veröffentlichte Forschungsergebnisse lassen darauf schließen, dass mindestens 120 Minuten Naturerlebnis pro Woche die Gesundheit verbessern und das Wohlbefinden steigern, sowohl geistig als auch körperlich. Die Studie basiert auf Antworten von etwa 20 000 Probanden in England, die zu ihren Aktivitäten in der Natur in der vorhergehenden Woche befragt wurden. Es zeigte sich, dass Personen, die mindestens zwei Stunden pro Woche in naturnahen Umgebungen wie Stadtparks, Wäldern, Landschaftsparks oder Stränden verbracht hatten, von einer besseren Gesundheit und größerem Wohlbefinden berichteten als diejenigen, die überhaupt nicht draußen waren.

Die entscheidende Grenze scheint dabei bei mindestens zwei Stunden zu liegen. Es spielt keine Rolle, wie nah die Person an Grünflächen wohnt oder wie oft sie solche Flächen aufsuchte, solange bis zum Ende der Woche insgesamt zwei Stunden an der frischen Luft erreicht wurden. Bei nur 60 oder 90 Minuten in der Natur zeigte sich kein so deutliches Ergebnis. Auch fünf Stunden Natur pro Woche wirkten sich nicht zusätzlich positiv auf die Gesundheit aus.

Natürliche Droge für gesunden Körper und Geist

„Uns hat am meisten überrascht wie konstant das über alle betrachteten Gruppen hinweg auftrat: jung wie alt, männlich, weiblich, Stadt- und Landbewohner, Personen in benachteiligten genauso wie in reichen Nachbarschaften, aber eben vor allem auch Personen mit langwierigen Erkrankungen und Behinderungen“, sagte Hauptautor Dr. Mathew White von der medizinischen Fakultät der Universität Exeter der CNN. „Wir hatten uns schon Sorgen gemacht, dass unser Ergebnis bloß gewesen wäre, dass gesündere Menschen eben in die Natur gehen, aber diese Erkenntnis ließ darauf schließen, dass es sogar Menschen mit bekannten Erkrankungen besser ging, wenn sie es schafften, zwei Stunden pro Woche in der Natur zu sein.“

Lassen sich diese Ergebnisse weltweit übertragen? Dr. White und sein Team haben vor Kurzem die Datensammlung für eine ähnliche Studie in 18 Ländern abgeschlossen: 14 davon in Europa, sowie Australien, Hongkong, Kanada und die Vereinigten Staaten. „Die Ergebnisse dieser Studie werden demnächst veröffentlicht, aber auch hier geht es ja offensichtlich wieder um entwickelte Länder. Also ist die nächste große Frage wie relevant das alles für die Menschen in Entwicklungsländern ist, besonders da, wo die ‚Natur‘ viel mehr Gefahren für Gesundheit und Wohlbefinden bergen könnte“, sagt er. „Kurz gesagt wollen wir diese für England spezifischen Ergebnisse in dieser Phase noch nicht gleich verallgemeinern.“

Im Gespräch mit der britischen Zeitung „The Guardian“ ergänzte Dr. White noch: „Es zeigt sich auch immer öfter, dass die Fülle an biologischer Vielfalt einer Umgebung sehr wichtig zu sein scheint. Wir haben die Besuche von 4 500 Personen aus derselben Umfrage geprüft und dabei deutlich gesehen, dass sie mehr Stress abbauen, wenn die Gegend eine außergewöhnliche Schönheit in der Natur bot, von besonderem wissenschaftlichen Interesse war oder etwas in der Richtung.“

In der Fachzeitschrift kamen die Autoren zu dem Schluss, dass ihre Ergebnisse „ein wichtiger Ausgangspunkt für Diskussionen sind, wenn es darum geht, einfache evidenzbasierte Empfehlungen für die Dauer von Aufenthalten in naturnahen Umgebungen zu liefern, die Gesundheit und Wohlbefinden deutlich fördern könnten.“


Datum der letzten Änderung: 2019-09-21 17:15:03
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